Short-Positionierung US-amerikanischer Banken bei Edelmetallen – oder warum der Goldpreis sinkt
Geschrieben von: Peter S. Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 09:06 Uhr
Wer sich intensiver mit den Edelmetallmärkten befasst, wird früher oder später auf Meldungen stoßen, in denen von umfangreichen Short-Positionierungen US-amerikanischer Banken bei Gold, aber auch anderen Edelmetallen die Rede ist. Etwas vereinfacht gesagt, wetten die US-Banken dabei mit Terminkontrakten auf fallende Kurse bei Gold. Ein solcher Terminkontrakt ist ein Vertrag zur Lieferung (oder Abnahme) von Rohstoffen wie Gold, wobei Termin, Preis und Menge genau festgelegt sind.
Da nur ein Bruchteil des Wertes dieser Kontrakte als Einsatz nötig ist, um einen Kontrakt zu eröffnen, spricht man von einem Hebelinstrument oder auch Derivat. Das heißt, mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz können große Positionen an Rohstoffen oder Edelmetallen gehandelt werden. Diese Short-Positionierungen der Banken sind schon seit vielen Monaten zu beobachten und werden von vielen Seiten als Manipulation des Goldpreises betrachtet und entsprechend kritisiert.
Nun ist der Kauf von Futures oder Optionen auf fallende Edelmetallpreise an sich nichts Verwerfliches. Produzenten und Minenbetreiber beispielsweise, die sich mit steigenden Explorationskosten konfrontiert sehen, bedienen sich dieser Mittel, um sich so gegen fallende Preise abzusichern. Wenn aber die genannten Banken in diesem Zusammenhang auftauchen, sieht man doch etwas genauer hin. Die Gründe, warum dies geschieht, sollen hier außer Acht gelassen werden. Wer mag, kann mit Hilfe von Google unter dem Stichwort „Goldpreismanipulation“ weiterforschen. Man sollte diese Artikel allerdings mit einer gewissen Skepsis betrachten. Fakten und Meinungen sind nicht immer ohne Weiteres zu unterscheiden.
Uns interessieren an dieser Stelle nur die nackten Zahlen, um Ursache und Wirkung dieser Finanzwetten zu betrachten. Veröffentlicht werden die Zahlen von der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde für Warentermingeschäfte, der CFTC (US Commodity Futures Trading Commission).
| Futures | Stand: 1. Juni 2010 | Stand: 6. Juli 2010 |
| Gold | ||
| Long Futures | 20.190 | 23.622 |
| Short Futures | 156.592 | 161.378 |
| Silber | ||
| Long Futures | 863 | 257 |
| Short Futures | 30.428 | 31.803 |
| Palladium | ||
| Long Futures | 0 | 0 |
| Short Futures | 4.503 | 3.182 |
| Platin | ||
| Long Futures | 0 | 0 |
| Short Futures | 1.459 | 3.791 |
Quelle: US Commodity Futures Trading Commission (CFTC),
hier auszugsweise aus der Rubrik “Bank Participation in Futures Markets”
Sieht man sich die Zahlen an, wird ersichtlich, welch enormes Missverhältnis zwischen den Wetten auf fallende (Short Futures) und steigende Kurse (Long Futures) besteht. Zudem hat sich die Zahl der Kontrakte auf fallende Kurse bei fast allen Edelmetallen gegenüber dem Vormonat nochmals erhöht. Die fallenden Gold- und Silberpreise der letzten Monate sind ein Spiegelbild dieser Entwicklung.
Vor Kurzem wurde von US-Präsident Obama das Gesetz zur Reform der Finanzmärkte unterschrieben. Dort ist auch vorgesehen, die Zahl der Terminkontrakte zu begrenzen, um den Einfluss der Banken und Investmenthäuser auf die Preisbildung bei Rohstoffen zu begrenzen. Wann dies allerdings umgesetzt wird und mit welchen dann gültigen Obergrenzen, ist offen.
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