Portugal: Die Jagd nach dem Gold Afrikas.
Goldabbau in Südafrika. Pilgrims Rest
Technologische Neuerungen auf dem Gebiet des Schiffsbaus, der Navigation und der Kartografie sowie die organisatorische und militärische Überlegenheit der Europäer waren entscheidende Voraussetzungen für die Entdeckungsfahrten des 15. und 16. Jahrhunderts und die nachfolgende Kolonialisierung ausgedehnter Territorien der Erde. Eine Vorreiterrolle bei der Erkundung neuer Handelsrouten spielte Portugal. Dieses Land im äußersten Westen Europas profitierte dabei von genuesischem Kapital und außerdem von der Tatsache, dass die muslimische Herrschaft über Portugal bereits Mitte des 13. Jahrhunderts beendet war. Mit der Eroberung der Hafenstadt Ceuta im Jahr 1415 begannen die ehrgeizigen portugiesischen Entdeckungsfahrten entlang der westafrikanischen Küste. Ceuta war ein wichtiger Umschlagplatz für afrikanisches Gold, das nach Europa gebracht wurde. In Ceuta ließen sich Hinweise auf westafrikanische Goldvorkommen finden, die durch die Sahara an die Mittelmeerküste transportiert wurden.
Die portugiesischen Entdecker des 15. Jahrhunderts waren überzeugt, irgendwo an der westafrikanischen Küste den Rio d'oro, den Goldfluss, zu finden. Prinz Heinrich der Seefahrer wirkte als Pionier und drang bis zu den kapverdischen Inseln vor, Bartolomeu Diaz umrundete 1488 das Kap der Guten Hoffnung, Vasco da Gama umsegelte Afrika und erreichte 1498 auf dem östlichen Seeweg Indien. Portugal betrieb eine ausgedehnte Stützpunktkolonialisierung und errichtete wichtige Handelsniederlassungen in Afrika und Asien. Gewürze, Seide, Porzellan, Salpeter, Nutzhölzer und Stoffe gelangten so nach Lissabon. Die Suche nach Gold spielte dabei eine große Rolle, es gelang Portugal jedoch nicht, Goldvorkommen unter seine Kontrolle zu bringen. Die eingeführten Goldvorräte von etwa 700 Kilogramm im Jahr kamen durch Tauschhandel zustande. Als Nebenprodukt der Suche nach Edelmetall kam ein schwunghafter Sklavenhandel in Gang.
Funde belegen, dass in Westafrika seit mindestens 2000 Jahren Gold gewonnen wird. Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. interessierten sich arabische Händler für das westafrikanische Gold. Diese Vorkommen, die von einzelnen Goldsuchern zutage gefördert wurden, bildeten die Basis für den Wohlstand des Königreichs Ghana, das im 11. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte und dessen Gold aus dem Galam- und Babouk-Gebiet in der heutigen Grenzregion zwischen Senegal und Mali stammte. Der Herrscher dieses Reiches wurde als „König des Goldes" bezeichnet.
Die Goldquellen des sagenhaften Königreichs Mali, das im 14. Jahrhundert im Zenit seiner Macht stand, lagen in der Boure-Region, dem heutigen Siguiri-Goldgebiet im nordöstlichen Guinea. Als Mansa Musa, König von Mali, 1324/25 eine Pilgerreise nach Mekka unternahm, soll er acht Tonnen Gold als Gastgeschenk mitgebracht haben. Damit ruinierte er den Wert des ägyptischen Golddinars auf Jahre hinaus. Das Songhai-Reich bezog im 16. Jahrhundert sein Gold aus den Vorkommen am Schwarzen Volta. Das Ashanti-Reich auf dem Territorium des heutigen Ghana, das vom Ende des 17. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert bestand, verfügte ebenfalls über reiche Goldvorkommen. Die 1897 gegründete Ashanti Goldfields Corporation ist unter dem Namen AngloGoldAshanti noch heute einer der größten Goldproduzenten der Welt.